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Darf ich das sagen?

  • Autorenbild: Alexander Bench
    Alexander Bench
  • 15. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Über Leiter reden, Spaltungen und die Fragen, die keiner stellt.

Alexander Bench | Gebetshaus Frankfurt | Juni 2026

Es gibt ein Gespräch, das in fast jeder Gemeinde geführt wird. Meistens nach dem Gottesdienst. Meistens leise. Meistens unter dem Deckmantel von Sorge.

Es geht um den Leiter.

Was er entschieden hat. Was er hätte besser machen können. Was er wirklich meint, wenn er das sagt. Wer noch so denkt wie man selbst.

Ich möchte über dieses Gespräch reden. Ehrlich. Und ohne die üblichen Antworten.

Die bequeme Antwort – und warum sie nicht reicht

Die bequeme Antwort lautet: Redet nicht schlecht über Leiter. Punkt. Bibelvers dazu. Fertig.

Das stimmt – aber es ist nur die halbe Wahrheit. Und eine halbe Wahrheit, die konsequent eingesetzt wird, kann genauso viel Schaden anrichten wie eine Lüge.

Denn es gibt Menschen, die diesen Satz benutzen, um sich jeder Rechenschaft zu entziehen. Die jeden, der eine Frage stellt, als Spalter bezeichnen. Die Schweigen mit Treue verwechseln.

Das ist nicht das, wovon die Bibel redet.

Was die Bibel wirklich sagt

Die Schrift ist klar: Wer eine Autoritätsperson verleumdet, lästert, oder bewusst Zwietracht sät, bewegt sich außerhalb von Gottes Ordnung.

Sprüche 6,16–19 – Unter den Dingen, die Gott hasst: wer Zwietracht sät unter Brüdern.

Römer 16,17 – Habt acht auf die, die Spaltungen anrichten – und weicht von ihnen.

David ist das bekannteste Beispiel: Er hatte zweimal die Möglichkeit, Saul zu töten – einen Mann, der ihn verfolgte, der im Unrecht war, der psychisch instabil war. Er tat es nicht. Nicht weil Saul recht hatte, sondern weil David wusste: Ich bin nicht der Richter.

Das ist das Prinzip. Nicht blinde Unterwerfung. Sondern die Erkenntnis: Gott selbst verteidigt seine Ordnung. Ich muss das nicht tun.

Aber jetzt die Frage, die keiner stellt

Was ist, wenn der Leiter wirklich Unrecht tut?

Was ist, wenn Menschen verletzt werden – und das System sich selbst schützt?

Was ist, wenn Bibelverse eingesetzt werden, um Rechenschaft zu verhindern?

Dann ist Schweigen keine Tugend. Dann ist es Feigheit.

Die Bibel kennt das Amt des Wächters – Menschen, die öffentlich warnen, wenn Hirten das Volk schädigen. Jesaja tat es. Jeremia tat es. Paulus korrigierte Petrus öffentlich – weil Petrus öffentlich gesündigt hatte (Galater 2,11–14).

Hesekiel 33,6 – Wenn der Wächter das Schwert kommen sieht und nicht warnt – werde ich sein Blut von seiner Hand fordern.

Schweigen kann Mittäterschaft sein. Das steht auch in der Bibel.

Der Unterschied, auf den es ankommt

Nicht ob jemand öffentlich redet – sondern warum, wie und für wen.

Destruktives Reden schützt die eigene Verletzung. Es sucht Einfluss. Es arbeitet mit Andeutungen und Eindrücken. Es demontiert.

Prophetisches Reden schützt das Volk. Es sucht Gerechtigkeit. Es arbeitet mit Fakten. Es hat einen Prozess durchlaufen, bevor es an die Öffentlichkeit geht.

Der Unterschied liegt nicht im Inhalt – sondern im Herz, im Prozess und im Ziel.

Die Fragen, die ich mir selbst stelle

Als Leiter bin ich Teil dieses Systems. Das verpflichtet mich zu Ehrlichkeit in beide Richtungen.

Ich frage mich regelmäßig: Habe ich Strukturen, in denen mir jemand wirklich die Wahrheit sagen kann? Reagiere ich auf Kritik mit Offenheit – oder mit dem Reflex, das Motiv des Kritikers zu hinterfragen? Unterscheide ich zwischen jemandem, der mich angreift, und jemandem, der mir dient, indem er widerspricht?

Ein Leiter, der diese Fragen nicht stellt, baut langfristig eine Umgebung, in der das Lästern die einzige Sprache ist, die Unzufriedenen noch bleibt – weil alle anderen Kanäle geschlossen wurden.

Was ich dir sagen möchte

Wenn du gerade in einer Situation bist, in der du über einen Leiter redest – oder reden möchtest – dann frag dich ehrlich:

Suche ich Lösung oder Bestätigung? Habe ich das direkte Gespräch gesucht – wirklich? Schütze ich jemanden – oder schütze ich mich selbst?

Und wenn du in einer Situation bist, in der echtes Unrecht passiert – dann frag dich: Habe ich den Mut, den richtigen Weg zu gehen, auch wenn er unbequemer ist als das informelle Gespräch?

Matthäus 18 endet nicht bei Schritt 1. Er endet bei Schritt 3 – und Schritt 3 ist öffentlich.

Das ist die ganze Wahrheit. Nicht die bequeme Hälfte.

 
 
 

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